Siemens KI42F User Manual Page 4

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GroBer W ert wird auf die a rc h ite k to n is ch e F o rm der
neuen Briicke gelegt, die vor allem die technische ZweckmaBig-
keit des Bauwerkes zum Ausdruck bringen soli, Diejenige
Briicke wird die am meisten befriedigende Losung darstellen,
dereń Form sich der Umgebung von Hafen, Warenhausern,
Bureaugebauden usw. anpaBt und dereń Gcsamtansicht mit
der neuen Eisenbahnbriicke architektonisch moglichst in Har
monie ist“ . Diese in unmittelbarer Nahe liegende Eisenbahn-
briickc erschwert sehr die Aufgabe, denn neben diesem hoch-
gelegenen Bauwerk mit seinen gewaltigen, eisernen Hubtiirmen
wird es fiir die neue niedrigliegende Kóniginnenbriicke nicht
leicht sein, zur Geltung zu gelangen. Das Programm sagt hier-
iiber: ,-,Ohne iibrigens im voraus andere Auffassungen zu ver-
werfen, wird im allgemeinen ein Entwurf den Vorzug verdienen,
der nicht durch Abmessungen und allgemeinc W irkung der
zukunftigen Eisenbahnbriicke nahe kommt oder sie iibertrifft.
Die L a g e d er B riic k e ist eindeutig festgelegt: Die
Achse der neuen Briicke soli mit der Achse der besteiienden
Briicke zusammenfallen. W eiter wird vorgesclirieben, daB
die Briicke aus einer schnell beweglichen Mittelóffnung und
zwei festen Seitenbriicken bestehen muB. Die bew.egliche Briicke
selbst soli eine Durchfahrtsbreite von 50 m freigeben, wobei
mit Riicksicht auf die Schiffahrt eine freie Durchfahrtshohe
von 46,50 + R .P. einzuhalten ist, die ev. spater bis 61,50
+ R ,P. vergróBert wird. Fiir den Fahrzeugverkehr ist fiir
die neue Briicke eine freie Breite von 15,20 m zwischen den
Haupttragern gefordert, wovon an beiden Seiten eine Breite
von 1,35 m fiir Radfahrer und dazwischen eine Breite von 12,50 m
fiir fiinf Verkehrsstrecken, fiir elektrische Bahn und Last-
kraftwagen zur Verfugung stehen sollen. Fiir die FuBwege
ist eine Breite von 4 m vorgeschrieben; sie liegen auf Konsolen
auBerlialb der Haupttrager.
Ober den Unterbau sagt das Programm folgendes: Die
Art der Griindung ist freigestellt; es wird gefordert, daB eine
Holzfundierung unterhalb R.P. bleiben muB und daB Funda-
mentpfahle mit der Spitze 16 m unter R .P. anzunehnien sind.
Die Tragfahigkeit von Tannenholzpfahlen mit einem mittleren
Durchmesser von 28 cm betragt 10 t; vierkantige amerikanische
Fichtenholzpfahle mit 40 cm Kantenlange tragen 40 t, eben-
soviel vierkantige armierte Betonpfahle von 40 cm Seitenlange.
Fiir pneumatische Fundierung und Prahmfundierung kann die
Tragfahigkeit einer Sandscliicht von 12,5 m unter R.P. zu
3,5 kg/cm2 angenommen werden. Auftrieb darf beriicksichtigt
werden.
Beim Entwurf der beweglichen Briicke soli nach einer
Losung gestrebt werden, die zu einer moglichst kurzeń Unter-
brechung des StraBen- und Wasserverkehrs fiihrt. Die Trag-
konstruktionen sind fiir fiinf ununterbrocliene Reihen unmittel-
bar hintereinanderfahrender Lastautos yon 13 t Gewicht zu
berechnen. Die Belastung durch StraBenbahnwagen ist anzu-
nehmen, wenn sie ungiinstigere Ergebnisse liefert ais die Be
lastung durch Lastkraftwagen. Der Raum der Radfahrer-
und FuBwege ist mit 500 kg/m2 gleichmaBig zu belasten.
Der EinfluB des Windes ist mit 250 kg/m2 bei unbelasteter
und 150 kg/m3 bei belasteter Briicke anzunehmen. Die Be-
wegungsvorrichtungen miissen einen W inddruck von 15 kg/m2
auf die ungiinstigsten Teile beriicksichtigen. Bei einem Wind
druck von 40 kg/m2 muB die Briicke noch bewegt werden
konnen, Es ist mit einer Warmeanderung von 530 C zu rechnen.
Die Berechnung der Eisenkonstruktionen hat nach den Vor-
schriften fiir Eisenbauwerke der Deutschen Reichsbahn (Mini-
sterialerlaB vom 12. Mai 1922) zu erfolgen; fiir die Eisenbeton-
konstruktionen gelten die deutschen Eisenbetonvorschriften.
Der Bau der Briicke ist unter sehr erschwerenden Bedin-
gungen auszufiihren. Die Schiffahrt durch die beiden Óffnungen
der vorhandenen mittleren Drehbrucke muB wahrend der ganzen
Zeit der Ausfiihrung unbehindert bleiben; die Bedienung
der vorhandenen Drehbrucke muB bis zur Inbetriebnahme der
neuen beweglichen Briicke gewahrleistet sein. Eine voll-
standige Unterbrechung des Strai3enverkehrs darf am Tage
niemals eintreten. Des Nachts ist eine Unterbrechung nur
BER BAUINGENIKUR
102S HEFT 1.
zwischen 1 bis 3 Uhr, im auBersten Falle zwischen 12 bis 5 Uhr
zulassig. Die verfiigbare Breite der Briicke fiir den StraBen-
verkelir darf wahrend der Ausfiihrung niemals kleiner werden
ais dic der bestehenden mittleren Drehbrucke. Fiir den FuB-
giingerverkehr kann die bestehende Briicke wahrend der Aus-
fiiliriing unter der Bedingung gesperrt werden, daB fiir diesen
Verkehr .eine besondere Briicke gebaut wird, die 5 m Breite
zwischen den Gelandern besitzt und in Ubereinstimmung mit der
bestehenden Drehbrucke zwei Durchfahrtsoffnungen von je
20 m frei laBt.
4. A n m e r k u n gen zum P reisa u ssch reib en .
a) K u rz c r O b e r b lick u b er d ie h ie r in B e tr a c h t
k om m en d en A n o r d n u n g e n b e w e g lic h e r B riic k en .
Sieht man bei der vorliegenden Aufgabe zunachst einmal
von der asthetischen Seite ab und zieht nur die technisch-
wirtschaftliche Seite in Betracht, dann hat der sich am W ett-
bewerb beteiligende Ingenieur zwischen mehreren Systemen
beweglicher Briicken, zu wahlen, die ernsthaft miteinander in
Konkurrenz treten. Es sei daher hier eine kurze Betrachtung
eingeschaltet, wie diese System e sich zu der vorliegenden
Bauaufgabe im einzelnen stellen, und welcbe Vor- und Nachteile
ganz allgemcin bei ihrer W ahl zu erwarten sind. W ie schon
in dem Programm des Wettbewerbs hervorgehoben wurde,
miissen alle Anordnungen bei der beweglichen Briicke mit
Riicksicht auf den Verkehr so getroffen werden, daB die Durch-
fahrt fiir die Schiffe auf schnellstem W ege freigemacht werden
kann, und daB ferner die Unterbrechung des StraBenverkehrs
auf moglichst kurze Zeit beschrankt bleibt. W eiterhin muB das
Bauwerk die groBte Sicherheit gegen ZusammenstoBe, sowrohl
fiir die Schiffe, ais auch fiir das Bauwerk selbst, bieten. Und
schlieBlich sind die Gęsichtspunkte der gróBten W irtschaftlich-
keit und Betriebssicherheit von entscheidender Bedeutung.
Wenn wir eine Oberfuhrung des StraBenverkehrs mittels
einer Hochbriicke oder mit Hilfe einer Schwebefahre sowie eine
Untertunnelung ausschalten, weil diese Lósungen den Be-
dingungen des Programmes nicht entsprechen wiirden, so kom-
men hier ais Losungsmoglichkeiten die Drehbrucke, die Klapp-
briicke und die Hubbriicke in Betracht. W as nun die D re h -
b riic k e anlangt, bei der die Bewegung der Briicke um eine
lotrechte, auf dem Drehpfeiler angeordnete Achse den
Kónigstuhl vor sich gcht, so darf man sich im vorliegenden
Falle nicht etwa aus dem Grunde dazu verleiten lassen, die
Drehbrucke ais unmodern und unzulanglich, also ais ungeeignet
auszuschalten, weil die alte Kóniginnenbriicke, die ja dem
Verkehr durchaus nicht mehr gewachsen ist, ais Drehbrucke
konstruiert ist. Diese Drehbrucke ist in den siebziger Jahren
gebaut, ais die riesigen Anforderungen \an den Verkehr noch
nicht vorhanden waren; die damaligen Anordnungen sind
natiirlich veraltet. Doch ist die Entwicklung der Drehbriicken
mit der Zeit mitgegangen, und sie kann ganz allgemein gegen-
iiber anderen beweglichen Briicken soviel Vorziige praktischer,
technischer und auch wirtscbaftlicher A rt bieten, daB man
die Moglichkeit ihrer Verwendung stets ernsthaft mit in Er-
wagung ziehen muB. Die einfliigelige, ungleicharmige Dreh-
briicke nach Abb. 4 kommt allerdings im vorliegenden Falle
weniger in Betracht, weil sie bei der durch den starken Verkehr
bedingten groBen Breite der Briicke und bei der geforderten
groBenSpannweitezuschwerwerdenwurde; die zweifliigelige un
gleicharmige Drehbriicke kurz Doppeldrehbriicke genannt ,
wie sie Abb. 5 zeigt, kann jedoch sehr wohl eine vom technischen
und wirtschaftlichen Standpunkt aus zweclcmaBige Losung
ergeben, die sich gegeniiber anderen Systemen, was geringes
Gewicht und sclinelle Bewegung anlangt, wohl wird behaupten
konnen. AuBerdem gibt sie ein ansprechendes Bild. Fiir
die vorliegende Bauaufgabe liegen allerdings einige Nachteile
grundsatzlicher A rt vor, die ihre Verwendung gerade hier, in
einer Hafenstadt mit starkem Verkehr, nicht zweckmaBig
erscheinen lassen. Zunachst der wichtigste und schwerwiegendste
Grund: die Behinderung der Schiffahrt. W egen des grofien
KAMMER, WETTBEWERB ZUM NEUBAU DER KÓN1GINNENBR0CKE IN ROTTERDAM.
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